Rückblick: Eröffnung „orten“ - Malerei und Zeichnungen von Margret Lochner / Schnitzer& Studio

Bestens besucht war am 23. April 2018 die Eröffnung der Ausstellung „orten“ mit Arbeiten der Münchner Künstlerin Margret Lochner.

Margret Lochner ist im fränkischen Weißenstadt geboren und hat nach der Ausbildung zur Druckvorlagenherstellung an der Hochschule für Gestaltung in Nürnberg und der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart Grafikdesign studiert. Sie war in Stuttgart als Dozentin für Typografie tätig, arbeitet als freie Grafikerin und gemeinsam mit Eva Schnitzer im „Atelier 104” als freie Künstlerin.

In der Ausstellung „orten“ geht es um Orte, Orientierung und Ordnung. Ausgangsbasis für die Arbeiten von Margret Lochner sind Städte und deren Strukturen, die in Stadtplänen ablesbar sind. In diesen Plänen bearbeitet sie die komplexen Verbindungen und beschäftigt sich mit der Ausbildung an den Grenzen der Stadt.

Laut Wikipedie ist „Ein Stadtplan eine großmaßstäbige thematische Karte einer Stadt zum Zweck einer möglichst schnellen Orientierung in einem urbanen Raum. Die Darstellung ist daher überwiegend grafisch stark vereinfacht und auf allgemeinverständliche Signaturen reduziert.“

Zu jeder Arbeit Margret Lochners liefert eine bestimmte Stadt die Ausgangsbasis, dennoch geht es ihr nicht um konkrete Orte. Die Draufsicht auf die Stadt wird von Margret Lochner abstrahiert, komplex verästelte Strukturen werden weiter verrätselt und so eigenständige Bilder geschaffen, die sich im wahrsten Sinne des Wortes schwebend von ihren Ausgangsorten lösen.

Margret Lochners Arbeiten, die seit vielen Jahre entstehen, zeigen eine große Bandbreite, von einer grafisch reduzierten bis hin zur freien malerischen Umsetzung. Dem Thema nähert sie sich mit unterschiedlichen Techniken auf verschiedenen Medien: Eitempera auf Leinwand, Linolschnitt, Monotypie, Tusche auf Papier oder einer Kombination davon. Und selbstklebende Folie auf Vinylboden.

Die Serie „orten“ von Margret Lochner reflektiert auch über den Wert von Abstraktion und Reduktion an sich. In Zeiten digitaler Navigationssysteme ist zwar unser aktueller Standort jederzeit (nicht nur von uns selbst) abrufbar, die kürzeste oder rascheste Route zu einem gewünschten Ziel schlägt uns das System innerhalb von Sekunden vor. Allerdings kommt uns ebenso schnell die Orientierung abhanden, weil uns der Überblick über mögliche Wege, deren zugrunde liegende Strukturen und Ordnung fehlt.

Es wird klar: Nicht immer ist ein Mehr an Information hilfreich für die Orientierung. Vielmehr sind Überblick einerseits und Reduktion und Abstraktion anderseits erforderlich, um Strukturen wahrnehmen und interpretieren zu können. Die Arbeiten von Margret Lochner beschäftigen sich mit diesem Spannungsfeld.

Ausstellung bis 17. Mai 2018
Schnitzer& Studio, Lindwurmstraße 95a (2. Innenhof), 80337 München
Geöffnet Montag und Dienstag von 16–18 Uhr
und Donnerstag von 17–19 Uhr – die Künstlerin ist anwesend
und nach Vereinbarung

Zur Finissage am Donnerstag, 17. Mai 2018 ab 18 Uhr liest Friedrich Schloffer aus „Durch Manhattan“ (Niklas Maak, Leanne Shapton, © 2017 Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG, München)

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen.
www.margretlochner.de

Fotos: Jürgen Barthel, Martin Schnitzer