BDA im Gespräch - Flüchtlingszelt oder Penthouse?


Wohnungsstandard

Der Bund Deutscher Architekten BDA Bayern lädt ein zum Diskussionsabend

BDA im Gespräch
Flüchtlingszelt oder Penthouse - Wo liegt der Münchner Wohnungsstandard der Zukunft?

Dienstag, 22. September 2015 um 19.00 Uhr
BDA Bayern, Türkenstraße 34, 80333 München

Begrüßung und Einführung:
Karlheinz Beer, BDA Bayern

Vortrag/Diskussion:
Hilde Léon, léonwohlhage
Roderick Rauert, LBBW Immobilien Capital GmbH

Moderation:
Frank Kaltenbach, Detail

Mit Unterstützung von CAD-Solutions Martin Schnitzer - GRAPHISOFT Center

Die Berliner Architektin und Hochschullehrerin Hilde Léon ist mit ihrem Büro leonwohlhage bis weit über die Grenzen Deutschlands hinaus für ihr breit gefächertes Werk bekannt. Die Münchner Wohnbauten von leonwohlhage thematisieren seit 2007 Nachverdichtung, Umstrukturierung und Siedlungsentwicklung am Stadtrand noch bevor das Projekt „langfristige Siedlungsentwicklung“, mit diesen Zielen vom Münchner Stadtrat gestartet wurde.

In ihrem Vortrag wird Hilde Léon von der Schallschutzbebauung am Mittleren Ring und den GEWOFAG-Wohnbauten in der ehemaligen Funkkaserne bis zum Premium-Wohnquartier „The Seven“ im ehemaligen Heizkraftwerk im Glockenbachviertel einen Bogen spannen. Im Anschluss wird sie mit Roderick Rauert, Geschäftsführer der LBBW Immobilien Capital GmbH und Bauherr von anspruchsvollen Wohnanlagen wie „The Seven“ und „Friends“, künftige Potenziale für den Münchner Wohnungsbaus diskutieren.

Hintergrund: Vor zwei Jahren ging die Bevölkerungsprognose für München bis 2030 von einem Zuwachs von 230.000 Menschen auf 1,723 Millionen Einwohner aus und schon damals wurde ein Engpass für das Jahr 2015 vorausgesagt: Die Flächen für neuen Wohnraum innerhalb der Stadtgrenzen werden knapp, die Grundstückspreise explodieren.

Kyoto-Protokoll, Agenda 21 und die Energiewende haben zu Energiestandards geführt, die die Baukosten zusätzlich in die Höhe treiben, mit bis zu 30 cm dicken Wärmedämmungen aber auch wertvollen Wohnraum „vernichten“. Ein verschärfter Brandschutz hat Nutzungsmöglichkeiten eingeschränkt oder hohe Kosten verursacht, Förderungsrichtlinien und Vorschriften zum barrierefreien Bauen zu größeren Bewegungsflächen und Bädern geführt, was bei flächensparenden Konzepten enge unattraktive Wohnräume zur Folge hat. Hohe, allein von quantifizierbaren Parametern abgeleitete Standards sind also noch lange kein Garant für qualitativ hochwertige Wohnungen und Stadtquartiere.

Inzwischen hat sich die Lage zusätzlich verschärft. Tausende Flüchtlinge kommen am Münchner Hauptbahnhof an, viele davon werden in der Stadt oder in der Umgebung bleiben - zunächst in Notunterkünften und Massenbehausungen, nach Anerkennung des Asylantrags haben sie das Recht auf eine eigene Wohnung. „Wenn wir alle geltenden Bestimmungen einhalten müssen, werden wir diese enorme Herausforderung nicht meistern können“ hört man bereits von vielen Verantwortlichen und Akteuren.

Wo liegt in München die goldene Mitte für einen zukunftsfähigen Wohnungsbau zwischen Flüchtlingszelt und Penthouse mit Alpenblick? Haben wir uns in einem zu engmaschigen Regelwerk, das zwar Einzelaspekten sehr gut gerecht wird, in Summe aber an den großen wichtigen Fragen vorbei zielt, bis zur Handlungsunfähigkeit gefesselt?

Fotogafie: Martin Schnitzer