Bauen mit Luft: Ausstellung und Vorträge im Luftmuseum in Amberg


Bauen mit Luft 1

Das Luftmuseum in Amberg unter Leitung von Willi Koch lädt ein zu zur Eröffnung der Ausstellung und zu Vorträgen

Bauen mit Luft

Samstag, 26. April 2014 um 16.00 Uhr (Vorträge)
Luftmuseum Amberg, Eichenforstgäßchen 12, 92224 Amberg

Samstag, 26. April 2014 um 19.30 Uhr (Eröffnung)
Luftmuseum Amberg, Eichenforstgäßchen 12, 92224 Amberg
Bis 27. Juli 2014

Mit Unterstützung von CAD-Solutions - GRAPHISOFT Center München/Nordbayern/Regensburg

Seit kurzem steht im Schweizerischen Aarau das größte luftgestützte Einkammer-Folienkissen der Welt. Es ist dies die Überdachung des neuen Bushofes, entworfen vom Züricher Architekturbüro Vehovar & Jauslin zusammen mit den Radolfzeller Leichtbau-Ingenieuren von formTL. Die Sonderausstellung "Bauen mit Luft" widmet sich der Entstehung und der Technik dieses faszinierenden Bauwerks. Eine Retrospektive "10 Jahre formTL "ergänzt die Schau um weitere Beispiele, wie sich Luft als Baustoff nutzen lässt. Wenn im Zusammenhang mit dem Bauen das Wort Luft fällt, denken wohl die Wenigsten an Dauerhaftigkeit. Tatsächlich aber ist in luftdichte Hüllen gepresste Luft ein äußerst kostengünstiger und nachhaltiger Baustoff. Dass dies nicht nur für temporäre Bauten gilt, beweist seit neustem der zentrale Bushof der Schweizer Stadt Aarau: Sein Dach ist eine über tausend Quadratmeter große Dachkonstruktion aus einem Stahltisch und einem luftgestützten Folienkissen.

Am Anfang standen die Suche nach einer möglichst leichten Bauweise und der Wunsch nach einer amorphen Form. Das Dach sollte sich nicht als Halle präsentieren sondern als angenehmer Ort für die vielen Pendler, die täglich zwischen Bahn und Bus umsteigen. Nach acht Jahre dauernder Planung entstand in bloß einjähriger Bauzeit ein nicht nur technologisch wegweisendes Meisterstück urbaner Architektur: das vom Volksmund bereits liebevoll "Wolke" genannte Dach über dem Busterminal. Seine organische Form mit dem Durchblick zum Himmel in seiner Mitte entspringt dem Anliegen, den Platz nicht nach oben zu begrenzen, sondern die Reisenden in einer freundlichen und hellen Umgebung zu begrüßen.

"Von Anfang an wollten wir unter dem Dach eine räumliche Stimmung erzeugen, die derjenigen einer Waldlichtung ähnlich ist. Um die Passagiere in einer hellen und freundlichen Umgebung zu empfangen, wurde ein sehr leichtes, lichtdurchlässiges Material gewählt"«, erläutert die Architektin Mateja Vehovar vom Züricher Büro Vehovar & Jauslin. Die Wahl traf auf ein luftgestütztes Folienkissen aus dem Kunststoff ETFE. Solche Foliendächer sind nicht nur vielseitig gestaltbar, sondern auch extrem leicht, langlebig, witterungsbeständig und selbstreinigend. Das Großkissen wird in seinem Inneren durch einen frei geformten Stahltisch gehalten. Ein unregelmäßiges Netz aus Stahlseilen auf beiden Außenseiten gibt dem Kissen die Form. Bei allen eingesetzten Materialien wurde auf deren Nachhaltigkeit geachtet. Dies gilt auch für die eingesetzte Umluftanlage: "Dank der ausgezeichneten Luftdichtigkeit der Kissenkonstruktion beschränkt sich die Aufgabe der Lüftung nahezu auf die Anpassung des Luftdrucks im Dach an die sich verändernden Wetterbedingungen", führt Gerd Schmid vom Radolfzeller Ingenieurbüro formTL aus, welches für die statische und technische Konzeption des Daches verantwortlich zeichnet.

Das weltgrößte Folienkissen ist eine einzigartige Mischung aus funktionaler, zukunftsweisender Technologie und abwechslungsreichem, reizvollem Spiel mit der menschlichen Sinneswahrnehmung. Es ist mehr als ein bloßer Busterminal, es ist funktionale Kunst im Stadtraum, ein Wahrzeichen für Aarau.

Das Luftmuseum Amberg zeigt im Rahmen der Sonderausstellung Bauen mit Luft die Entstehung dieses imposanten Bauwerks. Modelle, Materialmuster, Filme und Fotografien erlauben einen spannenden Blick hinter die Kulissen. Eine Retrospektive zur zehnjährigen Geschichte von formTL ergänzt die Ausstellung um weitere faszinierende Beispiele. Die Ingenieure aus Radolfzell haben sich mit dem Umbau der Cargolifterhalle oder dem Modern Teahouse mit Kengo Kuma einen internationalen Ruf als Leichtbauspezialisten gemacht. Großformatige Projektfotos und Muster vermitteln einen Einblick in die beeindruckende Welt des leichten Bauens, mit oder ohne Luft.

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Fotos: Niklas Spoerri